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Die Bündelung etablierter Expertisen

Die LUH besitzt eine in Niedersachsen einmalige empirische Regionalkompetenz zu den seit dem 16. Jahrhundert auf vielfältige Weise verbundenen Kontinenten Afrika, Amerika und Europa.  Mit der Forschungsinitiative wurde diese Expertise von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus zwei erfolgreichen Schwerpunkten der Philosophischen Fakultät - Tranformation Studies und Interkulturelle Pädagogik (heute Arbeitsstelle DIVERSITÄT-MIGRATION-BILDUNG) - sowie dem Forschungscluster "NS Geschichte" erstmals gebündelt. Inzwischen haben sich auch andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschungsinitiative angeschlossen. Eine Übersicht zu den Projektkernen finden Sie hier 

Der reizvolle Forschungsansatz zu Integrations- und Abwehrstrategien benachteiligter Bevölkerungsgruppen wird die Kompetenz der LUH in einem Feld ausbauen, das im Hinblick auf die Sicherung des sozialen Friedens in Zeiten globaler Verflechtung von immer steigender Bedeutung sein wird.

Unser Forschungsthema

In allen bislang bekannten Gesellschaften werden Menschen nicht nur nach ihren individuellen Eigenheiten voneinander unterschieden, sondern zugleich bestimmten sozialen Kategorien zugeordnet. Solche Kategorien von Differenz, wie etwa Geschlecht, Herkunft, Klasse, Ethnizität/”race” aber auch Alter, Religion und Bildung, prägen die wichtigsten sozialen Auseinandersetzungen und Konflikte. Die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Differenzzuschreibungen reichen von Abwertung und Diskriminierung über Ausgrenzung bis zu physischer Bedrohung und zum Massenmord. In der politisch-medialen Öffentlichkeit, aber auch in Teilen der Wissenschaft, werden Konflikte um (vermeintliche) Differenzen häufig verkürzt analysiert, wie es etwa in der Auseinandersetzung mit dem Islam oder um jugendliche Gewalttäter in Deutschland geschieht. Zumeist wird dabei eine der sozialen Kategorien wie ethnische Zugehörigkeit oder kulturelle Andersartigkeit priorisiert und verabsolutiert anstatt der Frage nachzugehen, welche sozialen und politischen Funktionen Differenzkonstruktionen ausüben und inwieweit sie sich im Konfliktverlauf erst herausbilden oder in Gewicht, Form oder Inhalt modifizieren. Auch das Konfliktverständnis scheint in Teilen der Wissenschaft und im öffentlichen Diskurs häufig auf „therapeutische“ Fragen verengt, d.h. Konfliktanalysen und -lösungsmodelle werden meist nur herangezogen, um über „Differenz“ aufzuklären und Konflikte so zu regulieren, dass sie keine zerstörerische Qualität entwickeln. Demgegenüber erfahren jedoch die Bedeutung von Konfliktkonstellationen als Indikatoren und Dynamisierungsfaktoren des politisch-sozialen Kräftefelds im Inneren von Gesellschaften sowie vor allem deren wechselseitigen Wirkungen in gesellschaftsübergreifender Perspektive vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit.

 Forschungsziele

Diese Desiderate nimmt die Forschungsinitiative (FI) „Relations of Difference – Dynamics of Conflict in Global Perspective“ zum Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen. In Verschränkung unterschiedlicher Fachperspektiven (Geschichte, Soziologie/Kulturanthropologie, Sozialpsychologie, Erziehungswissenschaft, Literaturwissenschaft, Anglistik/Amerikanistik, Religionswissenschaft, Religionspädagogik) strebt sie an, sowohl die historische Tiefe und Veränderlichkeit jener Prozesse als auch deren wechselseitige Wirkungszusammenhänge auf der Ebene der historischen und gegenwärtigen Beziehungen zwischen Weltregionen auszuleuchten. Damit verfolgt sie das Ziel, die unterschiedlichen Funktionen und Bedeutungen von “Differenz” in spezifischen Konfliktkonstellationen und -dynamiken begrifflich schärfer zu fassen und empirisch zu erforschen. Die Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus zwei interdisziplinären Studien- und Forschungsschwerpunkten der Philosophischen Fakultät (Transformation Studies und Interkulturelle Pädagogik), dem Forschungscluster "Nationalsozialistische Geschichte" und dem Forschungsbereich "Bürgerbewusstsein und Partizipation" ermöglicht diesbezüglich eine genauere Bestimmung von Reichweiten, Grenzen und somit auch Geltungsansprüchen von Theorieansätzen zu Differenz, Konflikt und Konfliktbewältigung.

 Programmatische Horizonte

Programmatischer Horizont ist neben einem erweiterten Konfliktbegriff die Perspektive der Intersektionalität, die Ungleichheit nicht mehr nur anhand der etablierten und bislang häufig getrennt voneinander betrachteten Kategorien von Klasse, Geschlecht und Ethnizität untersucht, sondern auch andere Formen sozialer Differenzierung wie etwa Generation und Bildung integriert und dabei vor allem auf die wechselseitigen Interdependenzen jener Kategorien achtet. Die Einnahme einer globalen Perspektive verweist darauf, dass der Horizont, in dem sich die geplanten Projekte bewegen, eine weitgehende De-Zentrierung Europas impliziert. Die außereuropäischen Regionen der Welt und dort existierende Konfliktkonstellationen sind in durchaus unterschiedlicher Intensität auf Europa bezogen – auch Formen von Kaum- oder Nicht-Bezogenheit sind Gegenstand der Forschung.

 Praxisbezug

Die Forschungsergebnisse können auf Praxisfelder wie Sozial-, Kultur- und Integrationspolitik, Gleichstellung, Antidiskriminierungsarbeit, Entwicklungszusammenarbeit und interkulturelle Pädagogik angewandt werden, z.B. bei der Frage, wie soziokulturell und migrationsbedingte Benachteiligungen überwunden und Diversität in Bildungsprozessen implementiert werden können.